Geschichte
Die Museumsgründerin Heidi Goëss-Horten (1941–2022) war Teilerbin ihres ersten Ehemannes Helmut Horten, mit dem sie von 1966 bis zu dessen Tod 1987 verheiratet war.
Während der Planungsarbeiten für die Heidi Horten Collection im Jahr 2019 beauftragte Heidi Goëss-Horten den deutschen Zeithistoriker Prof. Dr. Peter Hoeres mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der wirtschaftlichen Anfänge ihres ersten Ehemannes Helmut Horten. Sie wurde 2022 als Gutachten und 2024 als extern begutachtetes umfangreiches Buch gemeinsam mit Maximilian Kutzner veröffentlicht.
In den Jahren 1936 bis 1939 erwarb Helmut Horten eine Reihe von Kaufhäusern, die sich zuvor im Eigentum von Unternehmer:innen jüdischer Herkunft befanden, unter bewusster Inkaufnahme und gezielter Ausnutzung der politisch verursachten Notlage ihrer bisherigen Eigentümer:innen. Darüber hinaus beteiligte er sich an zwei Unternehmen der Rüstungsindustrie, übte dort auch die Funktion des Geschäftsführers aus und billigte dabei den Einsatz von Zwangsarbeiter:innen.
Helmut Horten profitierte von den spezifischen Umständen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes und zog daraus finanziellen Gewinn. Seine Geschäftstätigkeit in diesen Jahren schuf die wirtschaftliche Ausgangsbasis für den späteren Aufbau des Horten-Konzerns, der im Nachkriegsdeutschland der 1950er- und 1960er Jahre ein Milliardenvermögen erwirtschaftete.
Nach dem Tod von Helmut Horten begann Heidi Goëss-Horten sich intensiv mit Kunst zu beschäftigen und schuf ab den 1990er Jahren eine der heute bedeutendsten Kunstsammlungen Europas. Im Jahr 2022 eröffnete die von ihr gegründete Heidi Horten Collection, die ihre Sammlung nachhaltig der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Gegenwart
Die Heidi Horten Collection ist sich der vor 1945 geschaffenen Grundlage des in der Nachkriegszeit erwirtschafteten Vermögens bewusst, das für den Aufbau der Sammlung verwendet wurde. Wir erachten eine offene und transparente Darstellung dieser historischen Tatsache als notwendig und betrachten dies als Teil unserer Verantwortung in der Gegenwart, denn Museen sind zentrale Träger einer offenen Gesellschaft und Orte der Wissensvermittlung und des Diskurses.
Mit unseren Ausstellungen und Aktivitäten wollen wir Verantwortung für eine offene, inklusive und demokratische Gesellschaft übernehmen. Unser Programm richtet sich an eine breite und vielfältige Öffentlichkeit, und wir erheben unsere Stimme für Freiheit, Demokratie, Toleranz und Vielfalt. In diesem Sinne legen wir besonderen Wert auf inklusive Programme, die Menschen unterschiedlicher Herkunft und aus allen Bevölkerungsgruppen kulturelle Teilhabe ermöglichen und neue Handlungsspielräume eröffnen. Dazu zählt auch unser großes, kostenfreies Angebot für Schüler:innen.
Historische Verantwortung
Die Heidi Horten Collection ist ein Kunst-Museum in Wien.
Das Museum wurde im Juni 2022 eröffnet.
Die Gründerin heißt Heidi Goëss-Horten.
Sie lebte von 1941 bis 2022.
Sie wollte, dass alle Menschen ihre Kunstsammlung sehen können.
Darum wurde das Museum eröffnet.
Wer war Helmut Horten?
Heidi Goëss-Horten war mit Helmut Horten verheiratet.
Er war ihr erster Ehemann.
Helmut Horten starb im Jahr 1987.
Er war ein sehr reicher Mann.
Ein Teil seines Geldes ging später an seine Frau Heidi.
Mit diesem Geld kaufte sie viele Kunstwerke.
Warum ist die Geschichte von Helmut Horten schwierig?
Helmut Horten hat in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) viel Geld verdient.
Er hat in den Jahren 1936 bis 1939 Kaufhäuser gekauft.
Diese Kaufhäuser wurden jüdischen Menschen weggenommen.
Diese Menschen ist großes Unrecht geschehen, sie waren in großer Not.
Sie mussten ihre Geschäfte verkaufen, weil sie bedroht wurden, weil sie jüdisch waren.
Helmut Horten hat auch mit Waffen gehandelt.
Bei der Herstellung der Waffen wurden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt.
Diese Menschen mussten unter schlimmen Bedingungen arbeiten.
Helmut Horten hat von dieser Zeit finanziell profitiert.
Später wurde er noch reicher.
Was wurde darüber geforscht?
Lange Zeit wurde nicht erforscht, wie genau Helmut Horten zu seinem Geld gekommen ist.
Im Jahr 2019 beauftragte Heidi Goëss-Horten einen Historiker.
Sein Name ist Prof. Dr. Peter Hoeres.
Er arbeitet an der Universität Würzburg in Deutschland.
Er hat mit einem Kollegen ein Gutachten geschrieben.
Darin steht:
→ Wie Helmut Horten sein Geld gemacht hat.
→ Was dabei in der NS-Zeit passiert ist.
→ Warum das kritisch gesehen werden muss.
Das Gutachten wurde 2022 veröffentlicht.
Man kann es auf der Website der Helmut Horten Stiftung lesen.
Die Stiftung hat ihren Sitz in Agno (Schweiz).
Wie geht das Museum mit der Geschichte um?
Die Heidi Horten Collection ist nicht Teil der Helmut Horten Stiftung.
Sie ist rechtlich und finanziell unabhängig.
Das Museum weiß aber:
Der Name Horten ist mit einer schwierigen Geschichte verbunden.
Das Museum sagt:
Wir hätten früher über diese Geschichte sprechen sollen.
Das ist nicht passiert.
Dafür möchten wir uns entschuldigen.
Wir möchten jetzt offen und ehrlich über die Vergangenheit sprechen.
Das ist unsere Verantwortung.
Und das ist wichtig für unsere Arbeit als Museum.
Was ist das Ziel des Museums?
Das Museum setzt sich für diese Werte ein:
- Freiheit
- Demokratie
- Toleranz
- Vielfalt
Alle Menschen sollen im Museum etwas lernen können.
Deshalb gibt es besondere Programme für viele verschiedene Gruppen.
Zum Beispiel:
→ Für Schulklassen
→ Für Menschen mit wenig Geld
→ Für Menschen, die sonst selten ins Museum gehen
Das Museum möchte:
→ Die Vergangenheit zeigen.
→ Über die Gegenwart sprechen.
→ Die Zukunft mitgestalten.
Warum sind Museen wichtig?
Museen sind Orte des Lernens.
Museen können helfen, dass eine Gesellschaft offen bleibt.
Die Heidi Horten Collection will hier ein gutes Beispiel sein – gerade wegen ihrer besonderen Geschichte.