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AUSSTELLUNG
ELISABETH VON SAMSONOW
Was bedeutet es, mit der Welt in Beziehung zu treten – mit ihren Landschaften, Lebewesen und Geschichten? Was geschieht, wenn Mensch und Natur, Körper und Umwelt, Wirklichkeit und Imagination unkonventionelle Verbindungen eingehen? Seit nahezu fünf Jahrzehnten kreist das vielseitige Werk der deutsch-österreichischen Künstlerin und Philosophin Elisabeth von Samsonow um diese Fragen. In einer kraftvollen visuellen Handschrift entwirft sie fantastische, mitunter mit hintergründigem Witz durchzogene Bildwelten, in denen sich Körper verwandeln und menschliche, tierische und pflanzliche Formen ineinander übergehen. Zugleich entwickelt Samsonow performative und kollektive Aktionen, die Kunst als eine Form des gemeinsamen Handelns begreifen. Mit zahlreichen erstmals ausgestellten Arbeiten präsentiert die Retrospektive die große Bandbreite einer Praxis, in der Kunst und Philosophie, feministisches Denken und ökologisches Engagement untrennbar miteinander verbunden sind.
Körper in Verwandlung
1990 begann Samsonow, in Holz zu arbeiten. Seither nimmt die Skulptur eine zentrale Stellung in ihrem Schaffen ein. Aus ganzen Baumstämmen entstehen lebensgroße bemalte Gestalten. Ihr skulpturales und malerisches Universum ist von fantasievollen Metamorphosen geprägt: Menschliche, tierische und pflanzliche Körper verschmelzen miteinander, Figuren aus der Mythologie begegnen wiederkehrenden Motiven wie dem Mädchen, dem Pferd, dem Ponymädchen oder der Brezel. In Samsonows jüngeren Arbeiten spielt die Adlerin eine besondere Rolle – als Symbolfigur ebenso wie als reales Tier.
Die Skulpturen deuten an, dass sie sich aus ihrer statischen Erscheinungsform emanzipieren könnten: Sie könnten rollen, klingen oder Licht erzeugen. In ihren performativen Arbeiten aktiviert Samsonow die Skulpturen durch Bewegung oder das Spiel ihrer Saiten und tritt damit selbst in eine unmittelbare körperliche Beziehung zu ihnen.
19. September 2026 bis 28. Februar 2027
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Die Erde als Gegenüber
Elisabeth von Samsonow begreift die Erde als lebendiges, vernetztes System und als Trägerin von Geschichte und kollektivem Gedächtnis. In den vergangenen Jahren hat sich ihre Praxis zunehmend über das Atelier hinaus in den ländlichen Raum erweitert. Mit dem im Jahr 2020 initiierten Projekt Göttinnenland reagiert sie auf eine intensiv bewirtschaftete und zunehmend ausgelaugte Landschaft. In Malerei, Zeichnung, performativer Fotografie und Schreiben wird diese Landschaft zum Gegenüber: Was bedeutet dieses Land? Was sagt es? Und welche Beziehungen verbinden uns mit ihm?
Kunst wird dabei zu einer Form, die Welt zu bewohnen, sie kreativ mitzugestalten und ihr mit Fürsorge zu begegnen. Diese Gedanken führt ein eigens für diese Personale entwickeltes offenes Atelier fort, das Besucher:innen einlädt, selbst tätig zu werden und die Ausstellung kreativ weiterzudenken.
Im Dialog
Ein prägendes Element der Retrospektive sind zehn Dialoge zwischen Arbeiten Samsonows und Meisterwerken der Heidi Horten Collection – von Francis Bacon, Georg Baselitz und Alexander Calder bis zu Egon Schiele und Ferdinand Georg Waldmüller – sowie dem prähistorischen Idol von Immendorf. Formale und inhaltliche Resonanzen im Zusammenspiel dieser Werke eröffnen neue Perspektiven auf Samsonows Werk ebenso wie auf die Sammlung.
Anlässlich der Retrospektive erscheint die erste umfassende Monografie zu Elisabeth von Samsonows künstlerischem Œuvre.
Kuratiert von: Hana O. O. Haas und Rolf H. Johannsen
Ausstellungsarchitektur: tne next ENTERprise Architects Harnoncourt, Fuchs & Partner
KABINETTAUSSTELLUNG
GOTTFRIED BECHTOLD. Betonporsche
Gottfried Bechtold (*1947) zählt zu den prägenden Figuren der österreichischen Gegenwartskunst. Seit den späten 1960er-Jahren entwickelt er eine konsequent konzeptuelle, medienübergreifende Praxis, die Skulptur, Fotografie, Zeichnung, Text und performative Setzungen im öffentlichen Raum umfasst. Sein Werk ist geprägt von einer präzisen Analyse gesellschaftlicher Symbole, von Fragen nach Wahrnehmung, Wertzuschreibung und den Bedingungen von Kunstproduktion selbst.
Internationale Bekanntheit erlangte Bechtold insbesondere durch seine Auseinandersetzung mit dem Automobil als kulturellem, ökonomischem und ideologischem Objekt. Seit den 1970er-Jahren beschäftigt ihn das Auto als Projektionsfläche für Fortschrittsglauben, Mobilitätsversprechen, Statusdenken und individuelle Freiheit.
Der Betonporsche gehört zu den ikonischsten Arbeiten Bechtolds. Die Skulptur ist eine originalgetreue Kopie eines Porsche 911, gegossen aus massivem Beton. Was normalerweise für Geschwindigkeit, Eleganz und technische Perfektion steht, wird hier buchstäblich schwer, unbeweglich und monumental. Der Werkstoff Beton – Sinnbild für Dauer, Bauindustrie und urbane Infrastruktur – steht in radikalem Gegensatz zur Idee des Sportwagens. Bechtold entzieht dem Objekt damit seine Funktion und transformiert es in eine Skulptur, die Mobilität negiert und zugleich deren kulturelle Überhöhung sichtbar macht.
Seit April 2026 parkt ein Betonporsche aus der Serie Elf Elf (2006) im Hanuschhof auf dem sogenannten „Direktorinnenparkplatz“. Die tonnenschwere Skulptur konterkariert die Versprechen von Geschwindigkeit, Freiheit und individueller Verfügbarkeit, die mit dem Automobil verbunden sind. Im spezifischen Kontext des Hofes entfaltet die Arbeit darüber hinaus einen subtil ironischen Kommentar zu Fragen von Besitz, Privilegien und zur hierarchischen Organisation von Raum – insbesondere im Hinblick auf Parkflächen als Zeichen von Macht und Status.
Bechtolds Interventionen im öffentlichen Raum zeichnen sich stets durch ihre präzise Setzung aus: Der Betonporsche wirkt auf den ersten Blick vertraut und irritiert zugleich durch seine physische Präsenz und Materialität. Gerade diese Ambivalenz – zwischen Wiedererkennbarkeit und Verfremdung – ist zentral für Bechtolds künstlerische Strategie. Seine Arbeiten fordern dazu auf, alltägliche Symbole neu zu lesen und ihre gesellschaftlichen Bedeutungen zu hinterfragen.
Im Auditorium werden ergänzend Fotografien, Filme und serielle Arbeiten gezeigt, die den Betonporsche kontextualisieren und Bechtolds langjährige Auseinandersetzung mit dem Motiv des Autos sowie mit Fragen von Reproduktion, Serie und Dokumentation sichtbar machen. Diese Arbeiten verdeutlichen, dass der Betonporsche nicht als singuläres Objekt zu verstehen ist, sondern als Teil eines über Jahrzehnte entwickelten künstlerischen Denkraums.
Kuratiert von: Verena Kaspar-Eisert und Rolf H. Johannsen