AUSSTELLUNG
GOTTFRIED BECHTOLD. Betonporsche


Gottfried Bechtold, Kiwanis Porsche, 2005, Courtesy of Galerie Krinzinger and Gottfried Bechtold
Gottfried Bechtold, Foto: © Gerhard Klocker
Gottfried Bechtold (*1947) zählt zu den prägenden Figuren der österreichischen Gegenwartskunst. Seit den späten 1960er-Jahren entwickelt er eine konsequent konzeptuelle, medienübergreifende Praxis, die Skulptur, Fotografie, Zeichnung, Text und performative Setzungen im öffentlichen Raum umfasst. Sein Werk ist geprägt von einer präzisen Analyse gesellschaftlicher Symbole, von Fragen nach Wahrnehmung, Wertzuschreibung und den Bedingungen von Kunstproduktion selbst.
Internationale Bekanntheit erlangte Bechtold insbesondere durch seine Auseinandersetzung mit dem Automobil als kulturellem, ökonomischem und ideologischem Objekt. Seit den 1970er-Jahren beschäftigt ihn das Auto als Projektionsfläche für Fortschrittsglauben, Mobilitätsversprechen, Statusdenken und individuelle Freiheit.
Der Betonporsche gehört zu den ikonischsten Arbeiten Bechtolds. Die Skulptur ist eine originalgetreue Kopie eines Porsche 911, gegossen aus massivem Beton. Was normalerweise für Geschwindigkeit, Eleganz und technische Perfektion steht, wird hier buchstäblich schwer, unbeweglich und monumental. Der Werkstoff Beton – Sinnbild für Dauer, Bauindustrie und urbane Infrastruktur – steht in radikalem Gegensatz zur Idee des Sportwagens. Bechtold entzieht dem Objekt damit seine Funktion und transformiert es in eine Skulptur, die Mobilität negiert und zugleich deren kulturelle Überhöhung sichtbar macht.
29. April – 11. Oktober 2026
Ende April 2026 wird ein Betonporsche aus der Serie Elf Elf (2006) im Hanuschhof auf dem sogenannten „Direktorinnenparkplatz“ einparken. Die tonnenschwere Skulptur konterkariert die Versprechen von Geschwindigkeit, Freiheit und individueller Verfügbarkeit, die mit dem Automobil verbunden sind. Im spezifischen Kontext des Hofes entfaltet die Arbeit darüber hinaus einen subtil ironischen Kommentar zu Fragen von Besitz, Privilegien und zur hierarchischen Organisation von Raum – insbesondere im Hinblick auf Parkflächen als Zeichen von Macht und Status.
Bechtolds Interventionen im öffentlichen Raum zeichnen sich stets durch ihre präzise Setzung aus: Der Betonporsche wirkt auf den ersten Blick vertraut und irritiert zugleich durch seine physische Präsenz und Materialität. Gerade diese Ambivalenz – zwischen Wiedererkennbarkeit und Verfremdung – ist zentral für Bechtolds künstlerische Strategie. Seine Arbeiten fordern dazu auf, alltägliche Symbole neu zu lesen und ihre gesellschaftlichen Bedeutungen zu hinterfragen.
Im Auditorium werden ergänzend Fotografien, Filme und serielle Arbeiten gezeigt, die den Betonporsche kontextualisieren und Bechtolds langjährige Auseinandersetzung mit dem Motiv des Autos sowie mit Fragen von Reproduktion, Serie und Dokumentation sichtbar machen. Diese Arbeiten verdeutlichen, dass der Betonporsche nicht als singuläres Objekt zu verstehen ist, sondern als Teil eines über Jahrzehnte entwickelten künstlerischen Denkraums.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Kuratiert von: Verena Kaspar-Eisert und Rolf H. Johannsen
AUSSTELLUNG
ELISABETH VON SAMSONOW. Großes Mädchen








Elisabeth von Samsonow, Ausstellungsansicht „Elder Poem“, Kunstverein Graz © Die Künstlerin, Foto: Christine Winkler
Elisabeth von Samsonow, Foto: © R. Rünagl
Elisabeth von Samsonow, horse woman philosopher, 2023 © Die Künstlerin
Elisabeth von Samsonow, Momus, 2011, © Die Künstlerin
Elisabeth von Samsonow, Löss Untermarkersdorf, 2021 © Die Künstlerin, Foto: Maresa JungElisabeth von Samsonow, Geopsyche: Better Energy or the Return of the Swallows, 2022 © Die Künstlerin, Foto: Maresa Jung
Elisabeth von Samsonow, Elektra, 2006 © Die Künstlerin
Elisabeth von Samsonow, Skulpturenspiel mit Sasa Hanten-Schmidt, Foto: Maximilian Brucker
Mit Elisabeth von Samsonow widmet die Heidi Horten Collection einer künstlerisch-theoretischen Position eine große Soloausstellung, die sich jenseits enger disziplinärer Zuordnungen entfaltet. Erstmals wird das vielschichtige Werk von Elisabeth von Samsonow (*1956, Deutschland; lebt seit 1995 in Österreich) in seiner künstlerischen Bandbreite und intellektuellen Tiefe in diesem Umfang präsentiert.
Die Ausstellung ist als kraftvolle, erzählreiche Personale angelegt, als lebendiger Parcours, der frühe Arbeiten ebenso einbezieht wie aktuelle Werkgruppen. Skulpturen, Malereien, Zeichnungen, Filme sowie eine ortsspezifische Installation machen ein erstaunliches Werk erfahrbar, das sich durch performatives Denken, formale Vielfalt und eine interdisziplinäre Haltung auszeichnet.
Im Zentrum von Samsonows künstlerischer Praxis steht eine intensive Auseinandersetzung mit der Erde als Trägerin von Geschichte, Leben, Energie und kollektiver Erinnerung. Ihre Arbeiten greifen Motive aus der Kulturgeschichte auf und übersetzen diese in eine zeitgenössische Formensprache. Bewegung – physisch und psychisch – ist dabei ein zentrales Moment: Samsonows Werk überschreitet poetisch und spielerisch die von rationalen Ordnungen gezogenen Grenzen und öffnet Räume zwischen Kunst, Philosophie, Anthropologie und politischem Denken.
Eine besondere Rolle spielen skulpturale Installationen und Bilderzyklen, die narrativ um den Gaia-Mythos kreisen und grundlegende Fragen nach Ursprung, Körper, Geburt, Wert und Transformation verhandeln. Viele ihrer Holzskulpturen bestehen aus ganzen Stämmen, darunter Arbeiten aus einer tausendjährigen Linde, deren Materialität Wachstum und Zeit unmittelbar erfahrbar macht.
19. September 2026 bis 28. Februar 2027
Samsonows Bildwelten richten sich an das kollektive Unbewusste und zwar dort, wo es die Natur berührt. Sie speisen sich aus Traumresten, experimentellen Wahrnehmungsmustern zwischen Diagrammen und archetypischen Formen und laden dazu ein, vertraute Bilder neu zu betrachten und umzudeuten. Ihre Arbeiten eröffnen Möglichkeitsräume für alternative Lesarten von Geschichte, Körperlichkeit und Gemeinschaft.
Die Ausstellung stellt zudem gezielt Bezüge zur Sammlung der Heidi Horten Collection her. Arbeiten von Egon Schiele und deutschen Expressionisten werden integriert und in Beziehung zu Samsonows langjähriger wissenschaftlicher und künstlerischer Auseinandersetzung mit diesen Positionen gesetzt. Ein eigens gestalteter Bereich für kreatives Schaffen von jungen und erwachsenen Besucher:innen ist als integraler Bestandteil der Ausstellung geplant und unterstreicht den offenen, dialogischen Charakter der Präsentation.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Kuratiert von: Verena Kaspar-Eisert, Rolf H. Johannsen und Hana O. O. Haas
KABINETTAUSSTELLUNG
TO SHOE OR NOT TO SHOE. Warhol and others



Andy Warhol, Á La Recherche du Shoe Perdu by Andy Warhol. Shoe Poems by Rolph Pomeray (Umschlagblatt) ca. 1955, Heidi Horten Collection © The Andy Warhol Foundation for Visual Arts/Bildrecht, Wien, 2026
Birgit Jürgenssen, Aschenbrödel, 1976, Heidi Horten Collection © Estate of Birgit Jürgenssen/Bildrecht, Wien, 2026
Gudrun Kampl, Vorwärtsschnitt, 2021 Courtesy Heidi Horten Collection © Die Künstlerin
20. Oktober 2026 bis 18. April 2027
Andy Warhols grafische Serie Á La Recherche du Shoe Perdu entstand 1955 im Umfeld seines Auftrags, allwöchentlich Schuhanzeigen für die New York Times zu gestalten. Es entstanden mehr als ein Dutzend Zeichnungen, die von dem Dichter Ralph Pomeroy mit ironischen literarischen Anspielungen versehen und von Warhol zu einer Mappe zusammengefasst wurden. Ausgehend von dieser Serie widmet sich diese Kabinett-Präsentation dem Damenschuh als Fetischobjekt, Projektionsfläche und feministischer Kritik. Neben Andy Warhol sind weitere Künstlerinnen wie Birgit Jürgenssen, Gudrun Kampl und Lena Henke mit ihren Interpretationen des Schuhs vertreten. Sie hinterfragen das Objekt auch als Symbol von Begehren, Disziplinierung und Geschlechterrollen.
Kuratiert von Rolf H. Johannsen