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Werktitel: Damenbildnis (Wally Neuzil), 1912 (Egon Schiele)
Inventarnummer: K-115
Größe/Material: 24,8 × 24,8 cm/Gouache und Bleistift auf Papier
Merkmale: sign. und dat. recto re. u. „Egon Schiele 1912“
18 Jahre alt ist „Wally“ Neuzil erst, als Egon Schiele ihr Bildnis malt. Neuzil ist Schieles Geliebte, sein Modell, engste Vertraute und über Jahre die wichtigste Konstante in seinem Leben. Sie organisiert seinen Alltag, führt seine Korrespondenz, pflegt Kontakte zu Galeristen und hält dem jungen Künstler den Rücken frei. 1912 leben beide im niederösterreichischen Neulengbach. Es ist für Schiele ein Schicksalsjahr. Er malt einige seiner eindringlichsten Werke, gleichzeitig rufen Aktzeichnungen blutjunger Mädchen die Polizei auf den Plan. Der Künstler wird wegen Unsittlichkeit inhaftiert, Neuzil steht ihm auch weiterhin bei. Vielleicht erklärt gerade diese Erfahrung die Intensität dieses Werks. Alle Aufmerksamkeit gilt Neuzils Gesicht und ihrem melancholischen Blick. Ihr Körper verschwindet fast vollständig hinter dem flächig gemusterten Stoff. Zusätzlich steigert der glühende Hintergrund die Ausdruckskraft des Porträts. Drei Jahre nach seiner Entstehung endet die Beziehung abrupt. 1915 schreibt Schiele nüchtern: „Habe vor zu heiraten, günstigst, nicht Wally, vielleicht“. (SW)
Zusammenfassung der Provenienz
Otto Benesch trat erstmals als Leihgeber des Damenbildnis (Wally Neuzil) für eine Schiele-Gedächtnisausstellung in der Wiener Albertina 1948 auf. Ob er damals Alleineigentümer war, oder das Werk gemeinsam mit seiner Mutter Anna Benesch (geb. Weber), besaß, hat sich bisher aus der Quellenlage nicht erklären lassen. Otto Benesch war aber vermutlich nicht der Erstbesitzer des Werks. Es ist wahrscheinlich, dass er das Werk aus der Schiele-Sammlung seines 1947 verstorbenen Vaters Heinrich Benesch übernommen hat, der „die zu Schieles Lebzeiten geschlossenste Sammlung von Aquarellen und Zeichnungen des Künstlers zustande gebracht“[1]hatte. Im Erbweg ging das Damenbildnis von Otto Benesch nach dessen Tod 1964 an dessen Witwe Eva Benesch (geb. Steiner), die das Werk um 1967 an die Galerie William H. Schab, New York, verkaufte. Von dort gelangte das Werk an die Marlborough-Gerson Gallery, New York, und wurde von einer Schweizer Privatsammlung erworben. Von der Schweizer Privatsammlung wurde das Werk 1998 an den Londoner Standort der Galerie Marlborough Fine Art verkauft. In London erwarb Heidi Horten das Werk am 20. April 1998.
[1] Rudolf Leopold, Egon Schiele. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Salzburg 1972, S. 668.
+ PROVENIENZ
| Bis 1947 | Heinrich Benesch, Wien |
| 1947-1964 | Otto Benesch, Wien |
| 1967 | Galerie William H. Schab, New York |
| […] | Marlborough-Gerson Gallery, New York |
[…] | Schweizer Privatsammlung |
1998 | Galerie Marlborough Fine Art London |
| 20.4.1998 | Heidi Horten |
| Seit 2022 | HGH Vermögensstiftung, Vaduz |
+ LITERATUR/ARCHIVE
| Archiv der Wiener Albertina |
| Egon Schiele Datenbank der Autografen |
| Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik |
| Wiener Stadt- und Landesarchiv |
| Jane Kallir, Egon Schiele. The Complete Works. Including a Biography and a Catalogue Raisonné, New York 1990 (erweitere Ausgabe 1998), S. 654. |
| Modern Masters Prints & Drawings der William H. Schab Gallery, New York, 1967, S. 74. |
| Rudolf Leopold, Egon Schiele. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Salzburg 1972, S. 668. |