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Werktitel: Geschwister, 1930 (Paul Klee)
Inventarnummer: K-230
Größe/Material: 70,7 × 45,2 cm/Aquarell und Öl auf kreidegrundierter Leinwand
Merkmale: sign. recto re. u. „Klee“
Paul Klee, Geschwister, 1930 Heidi Horten Collection © Bildrecht, Wien, 2023
„Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen“, sagt Paul Klee einmal sinngemäß. In Geschwister spielt er mit schwarzen Linien, kombiniert sie mit farbigen Schraffuren und sich überlagernden Flächen zu einem organischen Ganzen. Zwei Figuren auf spindeldünnen Beinen schreiten nach links, zwei Augenpaare deuten ihre Gesichter an. Als Zeichen inniger Nähe teilen sich die Figuren ein einziges Herz. Darin klingt vielleicht Klees tiefe Zuneigung zu seiner älteren Schwester Mathilde an. Die Darstellung wirkt heiter, fast kindlich verklärt, mit feinem Humor. Klees experimenteller Umgang mit Farbe und Form macht ihn zu einer Schlüsselfigur der klassischen Moderne. 1898 verlässt er seine Heimatstadt Bern und studiert in München Malerei. Die Künstlergruppe Der Blaue Reiter wird zu seiner geistigen Heimat, später lehrt er am Bauhaus in Weimar und Dessau. Weder Expressionismus noch Abstraktion können Klees Werk ganz fassen: Es lebt von Fantasie, Musik und von der unverfälschten Bildsprache von Kindern. (SW)
Zusammenfassung der Provenienz
Das Gemälde Geschwister von Paul Klee aus dem Jahr 1930 befand sich bis 1935 im Eigentum des Künstlers. Paul Klee gab das Werk im Dezember 1930 in Kommission an den jüdischen Kunsthändler Alfred Flechtheim, der es über seine Berliner Galerie zu verkaufen versuchte. Alfred Flechtheim gehörte als Jude nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 zu den Verfolgten des NS-Regimes. Er verließ Deutschland im Mai 1933 und floh über die Schweiz und Paris nach London, wo er am 9. März 1937 an den Folgen einer Sepsis verstarb. Paul Klee wanderte 1933 in die Schweiz nach Bern aus und schloss am 24. Oktober einen Generalvertretungsvertrag mit dem deutsch-französischen Galeristen Daniel-Henry Kahnweiler (1884–1979), Inhaber der Galerie Simon in Paris, ab. Klee forderte daraufhin seine bisherigen Galeristen, unter ihnen Flechtheim, zur Rückgabe der Kommissionsware und Übermittlung der Werke nach Paris zur Galerie Simon auf. Dort sind die Geschwister ab 12. Juni 1934 in einer Ausstellung nachweisbar. Wann genau der Versand des Gemäldes zu Kahnweiler nach Paris erfolgte, ist aufgrund fehlender Quellen nicht bekannt. Da das Gemälde aber in Kommission bei Flechtheim war, sich somit nach wie vor im Eigentum Klees befand und auf dessen Wunsch nach Paris transportiert wurde, handelt es sich nicht um NS-verfolgungsbedingtes Verlustgut. Die Geschwisterwurden ein Jahr später, vom 13. bis zum 30. Juni 1935, in einer Ausstellung zum Schaffen Paul Klees in der Mayor Gallery in London präsentiert. Dort erwarb der britische Maler Roland Algernon Penrose (1900-1984) das Gemälde. Die nächste bekannte Eigentümerin des Werkes war die Künstlerin und Fotografin Lee Miller (1907–1977), bei der sich die Geschwister im Zeitraum um 1948 bis 1965 befanden. Von 1965 bis 1983 war das Gemälde im Familienbesitz des Sammlers George David Thompson. Der Nachlass von Helene S. Thompson wurde am 18. Mai 1983 bei Sotheby’s New York veräußert und die Geschwister von der Galerie Jan Kruieger & Cie., Genf, ersteigert. Dort kaufte Marshall Cagan aus New York das Gemälde im Jahr 1985. Am 24. Juni 1996 wurden die Geschwister erneut bei Sotheby’s, diesmal in London versteigert und von Heidi Horten erworben.
+ PROVENIENZ
| 1930 – 1935 | Paul Klee (1879-1940) |
| 1930 – 1932 | Alfred Flechtheim (1978-1937), Berlin (in Kommission) |
| 1934 – 1935 | Daniel-Henry Kahnweiler (1884-1979)/Galerie Simon, Paris (in Kommission) |
| 1935 – 1948 | Roland Algernon Penrose (1900-1984) |
| 1948 – 1965 | Lee Miller (1907-1977) |
| 1965 | George David Thompson (1899-1965) |
| 1965 – 1983 | Helene S. Thompson |
| 18.5.1983 | Sotheby’s New York, Impressionist and Modern Paintings and Sculpture, Los 43 |
| 1985 – 1996 | Marshall Cagan, New York |
| 24.6.1996 | Sotheby’s London, Impressionist & Modern Art, Part I, Los 52 |
| 1996 | Heidi Horten |
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+ LITERATUR/ARCHIVE
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