Ansicht Fassade Palais Goëss Horten

Das Palais

Nach dem großen Erfolg der ersten öffentlichen Präsentation der Heidi Horten Collection 2018 im Wiener Leopold Museum erwarb die großzügige Mäzenin und Kunstsammlerin Heidi Goëss-Horten das Stöcklgebäude im Hanuschhof im Herzen der Wiener Innenstadt, um dort ab 2022 ihre spektakuläre Kunstsammlung der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen.

Das Privatmuseum wird von Agnes Husslein-Arco geleitet, die die Mäzenin beim Aufbau ihrer Sammlung seit vielen Jahren berät und begleitet.

Als Architekten sind wir Experten für die Emotionalisierung von Raum – bei der Entwicklung einer Vision für das Palais Goëss-Horten standen wir vor der Herausforderung, Historie und Gegenwart symbiotisch zu verbinden. Es ist unser Ziel, dem historischen Stöckelgebäude durch gezielte Eingriffe Signifikanz, Charme und Modernität zu verleihen.

TNE

Der Ort

Der Hanuschhof ist ein typisches Wiener Gründerzeithaus und wurde in den Jahren 1862 und 1863 als Nebengebäude des Albrecht Palais (Albertina) nach Plänen von Architekt Anton Hefft errichtet. Im Innenhof des Hanuschhofes befindet sich das sogenannte Stöcklgebäude, welches in seiner Geschichte wechselnde Nutzung erfahren hat und bereits verschiedene Kunst- und Kultureinrichtungen und zuletzt das Staatsopernmuseum beherbergt hat.

Nachdem das Gebäude mehrere Jahre lediglich als Verwaltungsraum verschiedener Kulturinstitutionen diente, soll die Heidi Horten Collection nach umfangreichen Umbauarbeiten dort eine dauerhafte Ausstellungsfläche erhalten.

Die Architektur

Mit Ortner & Ortner, Kuehn Malvezzi und the next ENTERprise – architects waren 2019 drei international renommierte Architekturbüros eingeladen, in einem Zeitraum von rund drei Monaten Ideen für die Gestaltung des neuen Museums im Hanuschhof zu entwickeln.

Die Entscheidung der Museumsgründerin Heidi Goëss-Horten fiel auf den ambitionierten Entwurf von the next ENTERprise – architects, in personae Marie-Therese Harnoncourt und Ernst J. Fuchs.

In ihrer Vision lässt das Architekten-Duo Historie und Gegenwart gekonnt aufeinandertreffen. Der Entwurf zielt darauf ab, das Potenzial des „verwunschenen“ Stöcklgebäudes für ein modernes Museumsgebäude nutzbar zu machen: Kontrast zwischen Außen- und Innengestaltung kennzeichnen die Vision für das Museum mit „WOW!“- Effekt“.

Während die Außenbegrünung dafür sorgt, dass sich das Museum unprätentiös in die Kulisse am Burggarten einfügt, schaffen versetzte, vermeintlich schwebende und gegeneinander gedrehte Ausstellungsebenen unerwartete Blickachsen im Inneren einen effektvollen Rahmen für die Heidi Horten Collection.

Zwischen Staatsoper und Albertina gelegen soll das Gebäude in Hoflage durch Aufwertung des angeschlossenen Vorplatzes und durch Begrünung der Fassade wieder seinen ursprünglichen Charakter als altehrwürdiges Stöcklgebäude erhalten und in eine Kunstinsel im Herzen der Stadt verwandelt werden.

Die Bereiche der Seitenflügel sowie die komplette Fassade bleiben im Bestand erhalten und bilden mit dem Vorplatz ein Ensemble, das sich selbstbewusst von der Umgebung abgrenzt. Für den Eingang wird ein Stück der Fassade ausgeschnitten, sodass der Zugang an der Gebäudekante von zwei Seiten gut erkennbar ins Foyer und den Empfang leitet.

Während das Gebäude außen mit subtilen Mitteln Eleganz und Charme gewinnt, wird der Mittelbereich im Inneren vollständig entkernt, damit das Raumpotenzial für eine moderne Museumsarchitektur genutzt werden kann. So entstehen zwei übereinander gebaute und zueinander verdrehte Ausstellungsebenen, die stützenfrei jeweils eine Fläche von ca. 240 qm schaffen und so ein Annähern und Erleben der Kunst aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglichen. Objekthafte Treppen in gebäudehohen Lufträumen verbinden die Plattformen untereinander. Die an den Eck-Rändern entstehenden Lufträume erweitern das Erdgeschoß über drei Ebenen und ermöglichen Ausblicke und Einblicke im Museum, auf den Museumsvorbereich und Skulpturengarten.

Die großzügigen Ausstellungsflächen von insgesamt ca. 1.350 qm, auf drei Ebenen angeordnet, können flexibel in unterschiedlichsten Formaten genutzt werden und lassen ohne großen Aufwand Veränderungen der Ausstellungsfläche zu. Zusätzlich zu den drei großen Ebenen bieten vier kleinere Kabinette Raum für eine intime Präsentation ausgesuchter Werkgruppen.

Das Museum soll nicht nur Kunstinteressierte aus aller Welt erfreuen und inspirieren, sondern auch Kinder und Jugendliche an das Abenteuer Kunst heranführen. Die Kreativ-Werkstatt im zweiten Stock mit anschließendem Patio für Skulpturen, bietet Spielraum für eine lebendige und lustvolle Museumspädagogik.

Im Außenbereich entsteht durch die räumliche Einfassung eine neue Form des Vorplatzes für Skulpturen, Bäume und Grünflächen – ohne Stellflächen für private PKWs.

An der Umsetzung der architektonischen Vision wird mit einem kompetenten Team aus Fachkräften gearbeitet, um den neuen Kunst-Hotspot Wiens zu realisieren.

“Ich war tief beeindruckt, wie es den Architekten mit ihrer Idee gelungen ist, dem Hanuschhof eine Atmosphäre zu verleihen, die sowohl die Geschichte des Gebäudes respektiert als auch die Bedürfnisse eines in die Zukunft gerichteten Museums widerspiegelt.”

Heidi Goëss-Horten