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Louis Pastour
"Der Maler der Sonne“
Louis Pastour (1876 – 1948), Voilier (Segelboot), um 1936
Öl auf Karton, 14 x 24 cm, Heidi Horten Collection
Louis Pastor, Voiliers méditerranéens (mediterane Segelboote), 1939
In der Heidi Horten Collection befinden sich zwei kleine Ölgemälde des Künstlers: Voilier(Segelboot), das um 1936 entstanden ist, und Poème sur un ciel gris, das Pastour 1942 mitten im Zweiten Weltkrieg gemalt hat. Auf beiden Gemälden sind jeweils zwei Fischerboote zu erkennen, immer eines mit dunklem Corpus und eines mit gelb-weißem Bootsrumpf.
In beiden Bildern hat eines der Boote ein rotes Segel gegen den Wind gesetzt. Das rote Segel ist wie ein Markenzeichen des Künstlers. Es taucht in vielen seiner Küstenbilder auf. Gekonnt und pastos setzt Pastour die Farben mit dem Malerspatel auf den Malgrund. Man spürt das Meer, die Sonne, den Süden, aber auch eine unglaubliche Ruhe und Harmonie auf dem glatten Meer.
Um 1900 reist Pastour als Arbeiter Delegierter zur Eröffnung der l’Exposition universelle nach Paris. Im darauf folgenden Jahr hat er den Vorsitz bei der Inauguration der Arbeitervereinigung l’Union des Syndicats. Er ist gesellschaftspolitisch engagiert und gehört zu den Gründern des Arbeitsgerichts le tribunal des Prud’hommes in Cannes und den Kursen für Fabriksarbeiter. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter gründet der passionierte Kunstliebhaber 1902 die Association des beaux-arts von Cannes (ABAC) samt der jährlich stattfindenden Ausstellung lokaler Künstler. Am 10. März 1903 wird die Vernissage des ersten Salon cannois gleichzeitig zur Eröffnung seines Farben- und Malzubehör-Geschäfts: À la Palette de Rubens. Pastour ist Teil der regionalen Kunstbewegung und sein Geschäft wird ein Treffpunkt der lokalen Künstlerschaft. Der Bildhauer Denys Puech schlägt Pastour 1911 für den Orden Palmes Académiques vor.
Pastour bereist 1912 Ägypten und 1913 Brügge. Im Ersten Weltkrieg dient er als Soldat an der Front. Nach dem Krieg malt er 1923 in Marokko und 1928 in Italien, aber sein geliebtes Cannes bleibt die Hauptquelle seiner künstlerischen Inspiration. Pastour erhält 1928 den Auftrag, den kleinen Bahnhof der Standseilbahn Super-Cannes zu dekorieren. Er liegt am Hügel des exklusiven Wohnviertels Californie-Pezou. Pastour führt auch öffentliche Aufträge für die Eisenbahn Paris Lyon Méditerranée und für verschiedene Magazine aus. Er veröffentlicht in La Gazette Artikel über das lokale Leben in Cannes. Erst ab den 1940ern stellt er seine Arbeiten regelmäßig in den lokalen Kunstgalerien in Cannes aus. Er beteiligt sich an den Ausstellungen der Galerie Maeght, deren Besitzer Marguerite und Aimé Maeght zu seinen Freunden gehören. Überdies ist Pastour mit den Malern Jean-Gabriel Domergue und Henri Lebasque befreundet, die beide in der Heidi Horten Collection vertreten sind. Pastour stirbt am 6. Dezember 1948 in Cannes, wo er im alten Friedhof Grand Jas begraben wird.
Posthume Anerkennung
Der Cannoiser Maler spielt auch kleine Nebenrollen in den Kriminalromanen von Christine Gazon. In Vollmond über der Côte d'Azur: Der siebte Fall für Kommissar Duval hat der ermittelnde Kommissar von seinem Vater zwei Gemälde von Louis Pastour geerbt und in Lange Schatten über der Côte d'Azur: Der achte Fall für Kommissar Duval wird Pastour erwähnt, weil er wie der Bildhauer Victor Tuby, der Juwelier der berühmten Fabergé-Eier und der deutsche Schriftsteller Klaus Mann am selben Friedhof, dem Grand Jas von Cannes begraben liegt.