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Werktitel: Das Wesen vom Mars, 1906 (Alfred Kubin)
Inventarnummer: K-66
Größe/Material: 41,5 × 35,3 cm, Pastellkreide und Gouache auf Pappe
Merkmale: betit. und gewid. Verso
Man weiß nicht recht, ob man dieses Wesen bedauern oder sich vor ihm fürchten soll. Mutterseelenallein hockt es da. Trostlosigkeit macht sich ringsherum breit, ungewiss ist auch, ob sich die Kreatur auf der Erde oder auf einem fernen Planeten befindet. Sie ist ein seltsames Mischwesen, ein Produkt von wilder Imagination: Insektenhafte Kugelaugen starren ausdruckslos zu Boden, eine Rüsselnase ragt aus dem Gesicht. Vogelbeine enden in scharfen Krallen, der Rücken ist mit gezackten Echsenstacheln besetzt und das gefleckte Fell erinnert an eine Hyäne. Dabei ragt der Kopf aus einer Halskrause hervor, in die sich der Mutant wie in einen schützenden Panzer zurückziehen kann – als letzter Rest Geborgenheit in einer feindlichen Welt. Mit Pastellkreide und Gouache entwirft Alfred Kubin eine surreale Szene von beklemmender Intensität. Erdige Sepia- und Grüntöne unterstreichen die stille, unheimliche Vision. Sie offenbart existentielle Ängste ebenso wie die Verletzlichkeit der menschlichen Seele. (SW)
Zusammenfassung der Provenienz
Die Gouache Das Wesen vom Mars, 1906, hat Alfred Kubin – wie der rückseitigen Widmung des Künstlers zu entnehmen ist – im Mai 1917 seiner langjährigen Freundin Marianne Caroline Grafe (1892–1951), geb. Weil, gewidmet. Sie war seit 1914 mit dem Wiener Lyriker Felix Grafe (1888–1942), einem langjährigen Freund und Sammler Kubins, verheiratet. Anfang 1923 wurde die Ehe von Marianne und Felix Grafe geschieden und Marianne Grafe heiratete in zweiter Ehe Adolf Haeutler (1872–1938). Zusammen mit ihm und ihren zwei Söhnen Innozenz und Lukas wohnte sie in Wien. Marianne Haeutler baute eine große Kubin-Sammlung auf, wie im Zuge einer umfangreichen Kubin- Ausstellung zum 60. Geburtstag des Künstlers in der Albertina im Frühjahr 1937 ersichtlich wird. Sie war eine der wichtigsten Leihgeberinnen der Ausstellung. In den von Direktor Josef Blick geschriebenen Listen der Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken der Sammlung von Marianne Haeutler wird auch die Gouache Das Wesen vom Mars von Alfred Kubin erwähnt, das Blatt wird aber in der Ausstellung nicht gezeigt. Die Gouache hat sich demnach noch im April 1937 im Eigentum von Marianne Haeutler befunden. Nach dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938 gehörten Marianne Haeutler und ihre Söhne als Juden zu den Verfolgten des NS-Regimes. Marianne Haeutler emigrierte am 5. Oktober 1938 zu ihrem Sohn Innozenz Grafe nach Oxford. Vor ihrer Flucht hatte sie im September 1938 einen Ausfuhrantrag für ihre Kunstsammlung beim Bundesdenkmalamt in Wien eingereicht. In der Liste der zur Ausfuhr aus Österreich vorgesehenen Kunstwerke werden verschiedene Aquarelle, Handzeichnungen, Grafiken, Mappenwerke und weitere Kunstwerke aufgeführt, allerdings ohne Nennung der Künstlernamen und Werktitel, daher ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich. Der Ausfuhrantrag wurde vom Bundesdenkmalamt genehmigt. Es ist daher davon auszugehen, dass Marianne Haeutler alle zur Ausfuhr beantragten Kunstwerke am 5. Oktober 1938 mit nach Oxford nehmen konnte. Marianne Haeutler kehrte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zurück nach Wien, wo sie am 3. Februar 1951 in einem Wiener Altersheim verstarb. Am 18. Oktober 2000 hat Heidi Horten die Gouache Das Wesen vom Mars in der Sotheby’s Auktion German & Austrian Art, London, aus österreichischem Privatbesitz erworben.
+ PROVENIENZ
| 1917 – 1951 | Marianne Caroline Grafe (geb Weil, in zweiter Ehe Marianne Haeutler), Wien, Oxford, England, Geschenk des Künstlers mit Widmung auf Blattrückseite, Mai 1917 |
| Privatsammlung, Österreich | |
| 18.10.2000 | Sotheby’s London, German & Austrian Art, Lot 234 |
| 2000 | Heidi Horten |
| 2022 | HGH Vermögensstiftung |
+ LITERATUR/ARCHIVE
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+ ARCHIVE
| Archiv der Albertina, Wien |
| Bundesdenkmalamt, Wien |
| Oxfordshire History Centre, Cowley, Oxford, England |
| Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik, Wien |
| Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, Kubin-Archiv |
| Wiener Stadt- und Landesarchiv, Wien |