Werktitel: Das Wesen vom Mars, 1906 (Alfred Kubin)
Inventarnummer: K-66
Größe/Material: 41,5 × 35,3 cm, Pastellkreide und Gouache auf Pappe
Merkmale: betit. und gewid. Verso

Das „Wesen vom Mars“ ist ein Außerirdischer, ein Alien. Alfred Kubin hat das Mischwesen aus verschiedenen Tierteilen zusammengesetzt: insektenartigen Kugelaugen, einer Rüsselnase, Vogelbeinen mit scharfen Krallen, einem gezackten Echsenrücken und dem gefleckten Leib einer Hyäne. Der grau-grünliche Kopf schaut aus einer schützenden Halskrause hervor, in die sich das Wesen wie eine Schildkröte in ihren Panzer zurückziehen kann. Das „Wesen vom Mars“ hockt einsam und verlassen auf einer kleinen Erhebung und überblickt eine karge Heidelandschaft unter einem grauen Himmel. Die Atmosphäre ist trostlos und man weiß nicht recht, ob sich das Wesen auf dem Mars oder auf der Erde befindet, ob man sich vor ihm fürchten oder ob man es bedauern soll. Kubin kann aus einem reichen inneren Fundus an Bildern schöpfen. Bereits als Kind sammelt er Käfer, hält Insekten, Reptilien und eine zahme Krähe. Er zeichnet Schlangen und Spinnen, liegt stundenlang am Ufer des Zeller Sees, um Fische, Molche, Schwimmkäfer und Ruderwanzen zu beobachten. Der Meister der schaurigen Phantasmen zeigt hier nicht nur seine immense Fantasie, sondern auch seine virtuose Meisterschaft als Maler und Zeichner. Das „Wesen vom Mars“ ist mit Pastellkreide und Gouache auf Pappe gezeichnet und gemalt. Besonders delikat ist die farbliche Behandlung des vorderen Körpers und der Beine mit Rosa-Weiß-Tönen, die der Künstler zu den im ganzen Blatt vorherrschenden Grau-Grün-Tönen kontrastiert. Als Kubin „Das Wesen vom Mars“ 1906 malt, ist er gerade mit seiner Frau ins oberösterreichische Wernstein in den alten Freisitz Zwickledt hoch über dem Inn gezogen. In dem Schlösschen schreibt er 1908 den fantastischen Roman „Die andere Seite“. Mitten im Ersten Weltkrieg, der in Kubin eine Schaffenskrise auslöst, fügt er auf der Rückseite des Blattes eine Widmung hinzu: „Marianne der besten Mutter, Gattin und Freundin weiht dieses im Jahre 1906 entstandene Bild, Alfred Kubin, Zwickledt im Mey 1917“. Marianne Grafe (1892-1951), geb. Weil war eine langjährige Freundin Kubins und die Ehefrau des mit dem Künstler befreundeten Lyrikers und Kubin-Sammlers Felix Grafe (1888-1942). Ihr hatte Kubin „Das Wesen vom Mars“ im Mai 1917 gewidmet und geschenkt.
+ PROVENIENZ
| 1917 – 1951 | Erich und Siddi Heckel / Nachlass des Künstlers |
| 1970 | Marianne Caroline Grafe (geb Weil, in zweiter Ehe Marianne Haeutler), Wien, Oxford, England, Geschenk des Künstlers mit Widmung auf Blattrückseite, Mai 1917 |
| Privatsammlung, Österreich | |
| 18.10.2000 | Sotheby’s London, German & Austrian Art, Lot 234 |
| 2000 | Heidi Horten |
| 2022 | HGH Vermögensstiftung |
+ LITERATUR
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+ ARCHIVE
| Archiv der Albertina, Wien |
| Bundesdenkmalamt, Wien |
| Oxfordshire History Centre, Cowley, Oxford, England |
| Österreichisches Staatsarchiv/Archiv der Republik, Wien |
| Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, Kubin-Archiv |
| Wiener Stadt- und Landesarchiv, Wien |