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Werktitel: Kirche in Unterach am Attersee (Gustav Klimt, 1915/16)
Inventarnummer: K-855
Größe/Material: 110 x 110 cm, Öl auf Leinwand
Merkmale: Bez. r. u. „GUSTAV -/ KLIMT“
Gustav Klimt, Kirche in Unterach am Attersee, 1916 © Heidi Horten Collection
„Wohlbehalten angekommen, Operngucker vergessen – brauche notwendig“, meldet Klimt aus seinem Feriendomizil am oberösterreichischen Attersee an seine Schwester Hermine. Der Künstler ist auf Sommerfrische und malt ohne Auftrag allein aus eigenem Interesse heraus. Seine eigenwillige Perspektive erreicht er oft mit optischen Hilfsmitteln wie dem angeforderten Operngucker oder einem Fernrohr. Auch den kleinen Ort Unterach hält Klimt wohl nicht von einem Boot aus fest. Der Maler steht rund drei Kilometer entfernt auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Beim Blick durch das Fernrohr rücken die Kirche und die Häuser näher, verlieren an Volumen, werden flächig und tiefenräumlich zusammengedrängt. Die Ruhe des Bildes entsteht durch das quadratische Format und die harmonische Komposition. An den französischen Impressionismus und Pointillismus erinnern die leuchtenden Tupfen und kurzen Striche, die Klimt zu einem flirrenden Farbgeflecht zusammenfügt. (SW)
Zusammenfassung der Provenienz
Gustav Klimt vollendete das Gemälde Kirche in Unterach am Attersee im Jahr 1916. Ersteigentümer war der Großindustrielle Fritz/Friedrich Redlich (1868-1921), der das Bild in seinem Testament seiner Tochter Lisbeth/Elisabeth Redlich vermachte. Elisabeth Redlich (1901-1983) heiratete 1924 Stephan Gotthilf, der im Jahr 1931 in einer von der Österreichischen Staatsdruckerei verlegten Mappe „Gustav Klimt. Eine Nachlese“ als Eigentümer des Bildes genannt wird - offenbar als „Vertreter seiner Gattin“. Nach dem NS-Anschluss musste Elisabeth Gotthilf als Jüdin aufgrund der NS-Rassegesetze Österreich verlassen und emigrierte mit ihrer Familie 1938/39 nach England. Dort nimmt sie 1948 den Namen Glanville an. Vermutlich konnte sie das Werk mit nach England nehmen, da sie das Bild im Februar 1954 der Österreichischen Galerie Belvedere zum Kauf anbietet, die jedoch ablehnt. Ein zwischenzeitig (zwischen 1938 und 1945) NS-verfolgungsbedingter Verkauf oder Entzug konnte nicht festgestellt werden. Rund zwei Jahre später nach dem Verkaufsangebot ans Belvedere fand Elisabeth Glanville in dem Grazer Kaufmann und Kunstsammler Fritz Böck einen Interessenten und Käufer. Seit Juni 1957 war er in Ausstellungen wiederholt als Leihgeber des Werkes dokumentiert. Nach Fritz Böcks Tod 1966 gelangte das Werk im Erbweg an seinen Sohn Peter Böck, der es im Jahr 2011 an Heidi Horten verkaufte.
+ PROVENIENZ
| 1916 | Erstbesitzer: Friedrich „Fritz“ Redlich (1868–1921) |
| 1921–1956/57 | Elisabeth Redlich, ab 1924 Elisabeth Gotthilf, ab 1948 Elisabeth Glanville |
| 1937 | Exposition d’Art Autrichien im Musée du Jeu de Paume des Tuileries, Paris |
| 1937 | Ausstellung Oesterreichische Malerei und Plastik im 20. Jahrhundert im Kunstmuseum Bern |
| 1954 | Verkaufsangebot von Elisabeth Gotthilf an die Österreichische Galerie Belvedere; Ablehnung durch die Österreichische Galerie Belvedere |
| 1956/57–1966 | Dr. Friedrich „Fritz“ Böck (1895–1966), Graz; Vermittlung des Kaufes durch Galerie Welz, Salzburg |
| 1966–2010 | Dr. Peter Böck, Graz |
| 28.10.2010 | Das österreichische Bundesdenkmalamt stellt das Gemälde unter Schutz. |
| 2011 | Heidi Horten |
| 2020 | HGH Vermögensstiftung |
+ LITERATUR/ARCHIVE
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