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Werktitel: Plant de Tomate, 1944 (Pablo Picasso)
Inventarnummer: K-1
Größe/Material: 73 × 91,5 cm/Öl auf Leinwand
Merkmale: sign. recto u. re. „Picasso“, dat. verso o. re. „4 août 44“
Picasso datiert das Stillleben auf den 4.8.1944. Seit vier Jahren schon wird Paris von Hitlers Truppen regiert und drei Wochen später endlich befreit. Der Künstler hat sich damals in seinen vier Wänden vergraben. Während der Isolation zieht er zuhause Tomaten. Im Hintergrund deutet Picasso einen tristen Innenhof an. Im Gegensatz dazu wirkt die Tomatenpflanze lebendig und kraftvoll. Sie steht für Ablenkung vom nationalsozialistischen Terror, symbolisiert aber auch inneren Widerstand und aufkeimende Hoffnung auf die ersehnte Befreiung. „Ich habe nicht den Krieg gemalt“, so Picasso, „weil ich nicht zu der Sorte von Malern gehöre, die wie ein Fotograf etwas darzustellen suchen. Aber ich bin sicher, dass der Krieg Eingang genommen hat in die Bilder, die ich geschaffen habe“. Picasso gilt als Gigant der Moderne. Mit radikaler Offenheit und außergewöhnlicher Vielseitigkeit treibt der Spanier die Neuerfindung der Kunst zeit seines Lebens voran. Neunzehn Arbeiten des Ausnahmekünstlers sind in der Heidi Horten Collection vertreten. (SW)
Zusammenfassung der Provenienz
Pablo Picassos Gemälde Plant de Tomate entstand laut Datierung des Künstlers auf der Gemälderückseite am 4. August 1944 in Paris und wurde nach heutigem Forschungsstand von ihm vermutlich am 12. August 1944 überarbeitet. Es befand sich bis 1946 im Besitz des Künstlers und kann sich – ein Etikett auf der Rückseite des Gemäldes belegt dies – frühestens ab 1949 bei A. P. Rosenberg & Co., Inc., befunden haben. Paul Rosenberg (1881–1959), der vor dem 2. Weltkrieg in Paris eine der wichtigsten Galerien für Picasso, Matisse, Braque und Léger geführt hatte, war 1940 mit seiner Familie nach New York geflohen, wo er im gleichen Jahr noch seine Galerie Rosenberg & Co. für zeitgenössische, amerikanische und europäische Kunst eröffnete. Paul Rosenberg vertrat Picasso auf dem amerikanischen Mark, weswegen das Gemälde direkt vom Künstler zur Familie Rosenberg gesandt worden sein dürfte. Am 6. Juni 1951 wurde das Gemälde an Thomas May, einen amerikanischen Warenhausunternehmer und langjährigen Leiter der May Company in Los Angeles, verkauft. Bis zu Mays Tod am 26. August 1968 blieb das Gemälde im Eigentum des Unternehmers. Ob es nach seinem Tod an seine Frau oder direkt an seine Kinder als Erbe(n) ging, lässt sich nicht nachvollziehen. Am 14. November 1989 wurde das Gemälde bei Christie’s in New York im Zuge der Auktion Impressionist and Modern Paintings and Sculpture - Part I an einen unbekannten Käufer versteigert. Am 9. November 1999 wurde das Gemälde erneut bei Christie’s in New York bei der Auktion Twentieth Century Art zum Verkauf angeboten, bei der es von Heidi Horten erworben wurde.
+PROVENIENZ | |
|---|---|
| 4.8.1944 – mind. 1946 | Atelier Pablo Picasso |
| […] | |
| […] – 06.06.1951 | A. P. Rosenberg & Co., Inc., New York |
| 6.06.1951 – 26.08.1968 | Sammlung Thomas May, Beverly Hills |
| 26.08.1968 – 14.11.1989 | May Family Collection, Beverly Hills |
| 14.11.1989 | Christie’s, New York, Impressionist and Modern Paintings and Sculpture, Part I, Los 83 |
| 9.11.1999 | Christie’s, New York, Twentieth Century Art Los 531 |
| 1999 | Heidi Horten |
| seit 2022 | HGH Vermögensstiftung, Vaduz |
| +LITERATUR/ARCHIVE |
|---|
| New York, Museum of Modern Art, The Paul Rosenberg Archives |
| Christian Zervos, Pablo Picasso, vol. 14, works from 1944 to 1946, Paris 2013, Kat.-Nr. 28, 29, Abb. S. 18, 19 |
| Aukt.-Kat. Christie’s, New York, 14.11.1989, Lot 83 mit Abb. |
| Aukt.-Kat. Christie’s, New York, 9.11.1999, Lot 531 mit Abb. |
| Alfred H. Barr, Picasso. Fifty Years of His Art, Abb. S. 237 |
| Harriet Janis, Picasso: The Recent Years 1939-1946, New York 1946, Abb. Nr. 30 |
| The Picasso Project (Hrsg.), Picasso’s Paintings, Watercolors, Drawings and Sculpture. A Comprehensive Illustrated Catalgoue, 1885-1973. Nazi occupation 1940-1944, San Franciso 1999, S. 372 Abb. Nr. 44-141 (First State), S. 375 Abb. Nr. 44-148 (Final State) |
| Anna Simon, Ausstellungsbesprechung “Wow! Heidi Horten Collection”, in: Journal für Kunstgeschichte, Jg. 22, H. 4, 2018, S. 386-396. Hier: Abb. 3, S. 391 |